Das älteste Kind  

Der Stand vom ältesten Kind ist in der Familie nicht einfach. Gerade das Älteste muss immer den gleichen Spruch hören. „Mach schon, du bist die oder der Älteste und sei mal ein Vorbild für deine Geschwister".

Ältere Kinder sind daher die besten Lehrmeister für die jüngeren Geschwister. Zudem sind ältere Geschwister sehr reif für ihr Alter und übernehmen sehr viel Verantwortung für die Jüngeren und innerhalb der Familie.

Allerdings nicht immer ganz freiwillig. Oft wird über die Freiwilligkeit hinaus die Position des älteren Kindes von Eltern und Geschwister beansprucht. Dies führt zu einer Belastung, die weder dem Kind angemessen noch zuträglich ist.

Auch die Tatsache, dass aus dem einstigen Einzelkind, der „Prinzessin" oder dem „Prinz" nun plötzlich der „Ältere" mit Verantwortung und Aufgaben wird, verstört die Kinder. Sie rücken, aus ihrer Sicht abrupt, vom Mittelpunkt zur Randfigur. Was „Geschwister" tatsächlich bedeutet, erfahren sie oftmals erst, wenn das Baby für sie visuell und sensorisch greifbar wird.

Das älteste Kind bedarf trotz aller Reife und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung, der besonderen Aufmerksamkeit der Eltern. Es nimmt nun einmal in jeder Hinsicht eine Sonderstellung in der Familie ein und ist auch bereit, über die Rechte hinaus auch die Pflichten zu tragen. Dies muss aber auch mit der Gewährung dieser Richte „belohnt" werden. Das älteste Kind braucht zur Bestätigung das Recht, etwas tun zu dürfen, was die jüngeren Geschwister nicht dürfen. Kleine Privilegien, die in den Augen Erwachsener häufig unwichtig erscheinen, sind für das älteste Kind von großer Wichtigkeit.